Studienabbrecher: Azubis mit Vorkenntnis und Reife

Laut DIHK-Ausbildungsfrage 2013 k?nnen mehr als 20 Prozent der IHK-Betriebe nicht alle Ausbildungspl?tze besetzen. Den Unternehmen macht laut DIHK zu schaffen, dass viele leistungsst?rkere Schulabg?nger lieber studieren wollen. In Handwerksberufen sieht das kaum anders aus: Anspruchsvolle technische Berufe wie Elektrotechnik erhalten weniger Zulauf. Aber es kann einen Ausweg geben. Denn noch lange nicht jeder angehende Ingenieur wird das Studium abschlie?en. Als Azubi in seinem fr?heren Studienfach ist er schon halber Experte, wenn er die duale Ausbildung beginnt. Diese Erfahrung machte auch die Wirl Elektrotechnik GmbH. Gesch?ftsf?hrerin Meike Wirl hebt hervor: "Wir als Ausbildungsbetrieb profitieren bereits w?hrend der Ausbildungszeit von seinem Fachwissen und seiner Reife."

Damit hebt sie einen zweiten Aspekt hervor: Studienabbrecher sind pers?nlich gereift, verf?gen ?ber Frustrationstoleranz, kennen ihre Grenzen besser und sind obendrein hoch motiviert, weil sie eine zweite Chance bekommen. Au?erdem ? auch davon profitiert das Familienunternehmen ? konnte der ehemalige Student aufgrund seiner akademischen Vorkenntnisse direkt ins zweite Lehrjahr einsteigen.

Studienabbrecher als Azubis einstellen

Wie fanden Betrieb und Studienabbrecher zueinander? Die Handwerkskammer half. Auf der st?ndigen Suche nach interessiertem Personal wurde das Familienunternehmen Wirl Elektrotechnik GmbH aus Kleinheubach (Kreis Miltenberg) einen auf das "Karriereprogramm Handwerk ? Studienanschluss statt -abbruch" der Handwerkskammer f?r Unterfranken aufmerksam. Das Ziel ist es, engagierter Studienabbrecherinnen und -abbrecher als Auszubildende f?r sp?tere F?hrungsaufgaben im Handwerksunternehmen zu qualifizieren. Die Wirl Elektrotechnik GmbH nutzte dieses Programm und stellte 2013 ihren ersten Bewerber ein. Er hatte zuvor Elektro- und Informationstechnik an der Technischen Universit?t Darmstadt studiert. Der junge Mann bestand eine entscheidende Pr?fung nicht und musste daraufhin sein Studium ohne Abschluss beenden. Nun kann er relativ schnell die Ausbildung zum Elektroniker f?r Energie- und Geb?udetechnik durchlaufen. Denn die im Studium erworbenen Qualifikationen werden anerkannt und verk?rzen seine duale Ausbildung um ein Jahr.

Zusatzqualifikationen inklusive: Die F?hrungskraft von morgen ausbilden

Der schulische Teil der dualen Ausbildung findet alle sechs Wochen im zweiw?chigen Blockunterricht in einer auf das Karriereprogramm spezialisierten Klasse in W?rzburg an einer Berufsschule statt.

Parallel dazu absolviert der ehemalige Student an insgesamt ca. 14 Samstagen die Qualifikation zum Technischen Fachwirt (HWK) und die Ausbildereignungspr?fung. Beides sind Bestandteile der Fortbildung zum Meister. Nach der abgeschlossenen Lehre und mit entsprechender Berufserfahrung kann er die fehlende Teile erg?nzen und die Meisterpr?fung ablegen. Damit qualifiziert er sich f?r F?hrungsaufgaben. Bleibt der angehende Elektroniker dem Ausbildungsbetriebe treu, stehen ihm innerbetrieblich viele Entwicklungsm?glichkeiten offen. Das Familienunternehmen bietet ihm die Chance, recht z?gig eine Karriere als Projektleiter oder Bauleiter einzuschlagen. F?r das Unternehmen entstehen durch diese Fortbildungen keine zus?tzlichen Kosten. Diese ?bernimmt die Handwerkskammer im Rahmen des Karriereprogramms.

In der praktischen Ausbildung im Unternehmen gilt f?r den ehemaligen Studenten wie f?r die 15 anderen Auszubildenden: Alle sechs Wochen ist ein Auszubildendentreffen Pflicht. Dabei gibt einerseits das Unternehmen ein Feedback, andererseits werden W?nsche der Auszubildenden ber?cksichtigt und die Ausbildungspl?ne individuell angepasst. Der Ausbildungsmeister ber?cksichtigt, dass der der Studienabbrecher wesentlich mehr Lebenserfahrung hat und ?ber ein gr??eres Kommunikationsgeschick verf?gt, was besonders im Umgang mit Kundinnen und Kunden sehr wichtig ist. Der Ausbilder sch?tzt die Kompetenzen des ?lteren Auszubildenden, sodass der angehende Elektroniker schon jetzt fest einer Baustelle zugeteilt ist.

Wirl hat einen leistungsstarken Auszubildenden gewonnen, der es vom Studium gewohnt ist, L?sungen selbstst?ndig zu finden. Dies erleichtert ihm sehr das Erlernen des Handwerksberufs, wo es auf Selbstst?ndigkeit und eigene Ideen ankommt. F?r Meike Wirl ist klar:

Es war eine sehr gute Entscheidung einen ehemaligen Studenten einzustellen."