Der deutschlandweit bekannte Kleinunternehmer Max Mustermann ist aufgeregt. Um 10 Uhr ?ffnen sich die Pforten. Die Messe frohlockt mit ?ber 1.000 Ausstellern verteilt auf ?ber 90.000 Quadratmetern. An den zwei Tagen gibt es rund 500 Vortr?ge auf einem guten Dutzend B?hnen: Congress Hall, Debate Hall, Motion Hall, Work Lab 1 und so weiter. Hier spricht man Englisch. Selbstverst?ndlich.

Etwas unangenehm wird es unserem guten Max schon am Eingang. Mit seinen 49 Jahren f?hlt er sich im Gedr?nge der wuseligen Twens ebenso eingeengt wie alt. Aber er ist nicht alt. Nein. Er ist aufgeschlossen f?r Neues ? da spielt das Alter keine Rolle. 15 Minuten sp?ter ist es geschafft: Er ist drin! Bevor er sich in die Hallen st?rzt, um die St?nde zu (be)suchen, wirft er einen Blick auf die Vortr?ge. Welcher k?nnte interessant f?r ihn sein: Programmatic Customer Lifecycle Management? Ach, das ist IKEA, nein, falsche Branche und viel zu gro? als Ideengeber. Emotions and Impact: Connecting with Consumers in Virtual Reality? Zu fr?h. Ein deutscher Vortrag w?re sicherlich besser, mal sehen ... "Auf Reise mit den Usern: Erfolg im Marketing-Funnel mit den richtigen Native Advertising KPI's". Ah, ja. Immerhin schon Denglisch.

Nun ja, anscheinend finden die f?r ihn interessanteren Veranstaltungen erst am Nachmittag statt ... dann ist es an der Zeit, die Themen, derentwegen er hier ist, auf seiner Agenda durchzugehen. SEO/Suchmaschinenoptimierung steht ganz oben auf der Liste. Seitdem seine Website mit dem Onlineshop im Netz steht, nervt der Agenturfritze ihn mit diesem Begriff. Da muss wohl etwas dran sein, und wo, wenn nicht hier, kann er etwas dar?ber erfahren? Er schaut ins Ausstellerverzeichnis ... schlappe 80 Anbieter. Auf gut Gl?ck steuert er den ersten Stand an, der ihn mit diesen drei magischen Buchstaben (SEO) anl?chelt. Oh, prima, da kann man einen Kaffee bekommen, wenn man sich fotografieren l?sst und dann das Bild mit Hashtag auf Twitter oder Facebook postet ... super!

Der Kaffee tat gut, aber wie war das nochmal mit der Suchmaschinenoptimierung? Zehn St?nde und Anbieter sp?ter ist Max keinen Schritt weiter. Er kommt sich ein bisschen so vor wie ein Stadtmensch, der im Wald einen bestimmten Baum suchen muss ? wo doch alle gleich aussehen. Darum beschlie?t er, seine Taktik zu ?ndern: Die vielen gespr?chswilligen netten Damen und Herren an den St?nden werden nicht ignoriert, sondern mit Fragen ?bersch?ttet. Beispielsweise da, die nette Dame in dem gr?nen Ganzk?rperanzug ... und schon schleppt sie Max zum Stand. Schade, jetzt muss er sich doch mit einem Mann unterhalten, der auch noch von Alters wegen sein Sohn sein k?nnte. Schlimmer wiegt jedoch der Eindruck, gar nichts, aber auch wirklich gar nichts zu verstehen ? das Fragen hat er schon aufgegeben, weil er zum Zuh?ren gen?tigt wird: Robots-Attribute, Canonical Tags, unbegrenzte Crawls, On-Page Optimization ...

Zur?ck zur Realit?t

Nat?rlich lie?e sich dieser Seemannsgarn schier endlos weiterspinnen, doch darum soll es ja gar nicht gehen. Es soll auch nicht der Eindruck entstehen, dass diese Messe schlecht war. Im Gegenteil, f?r diejenigen, die im digitalen Marketing zuhause sind und die damit ihr t?glich Brot verdienen, war diese Messe ein zweit?giges Mekka mit allem, was Rang und Namen hat. Mit spannenden Vortr?gen, Vorschl?gen und Visionen. Mit dem neuesten Stand der Technik, Entwicklungen und ?berbordend vielen Angeboten, dass selbst Experten von einem Dschungel sprachen.

Hier ist der Punkt, wo Max Mustermann wieder ins Spiel kommt und ich mir als zumindest nicht v?llig Unbedarfter in diesen Sph?ren die Frage gestellt habe, was der Inhaber eines kleinen oder mittleren Unternehmens auffassen und f?r das eigene Marketing, den Vertrieb und die eigene Kommunikation mitnehmen w?rde. Es war keine ausschlie?liche Fachbesuchermesse, es wurde sehr wohl versucht, neue Kundschaft zu gewinnen ? also rechnet man auch mit Personen wie Max Mustermann. Doch f?r ihn w?re der Besuch wahrscheinlich mit der Erkenntnis zu Ende gegangen, dass es sich auch hierbei um eine Parallelwelt handele, der man sich entweder ganz oder gar nicht verschreiben k?nne. Doch welcher Unternehmer hat Zeit f?r 'ganz'? Und schon haben wir die Legitimation f?r externe Dienstleister ? die in dieser Branche wirklich Sinn ergeben.

Trotzdem m?ssen alle Max Musterm?nner dieser Welt sich vor den M?glichkeiten nicht verschlie?en, die sich ihnen durch Onlinemarketing auftun. Mit dem Teufel paktieren um des eigenen Paradieses willen ? sozusagen. 

Viele der sprichw?rtlichen S?ue werden durchs digitale Marketingdorf getrieben, allesamt Buzzwords, mit denen immer weniger Menschen wirklich etwas anfangen k?nnen, doch oftmals anfangen sollten. Und wenn nicht mit den Begriffen selbst, so doch mit den Erkenntnissen, die sich dahinter verbergen - sie werden nicht, sie sind schon relevant f?r Mustermanns Gesch?ft.

Welche Daten, die mir zur Verf?gung stehen, kann ich wie nutzen? Warum ist es sinnvoll, immer mehr ?ber Erfahrungen und Erlebnisse statt ?ber Informationen zu vermitteln? Wieso gilt der Ansatz: Mobiles first immer h?ufiger? Warum m?ssen es immer mehr Videos sein, diese aber immer k?rzer? Und wie generiere ich nachhaltigen Content, lerne von Kunden oder agiere im globalen Web lokal?

Da sind viele zweite und dritte Schritte vor dem ersten, aber dem wichtigsten: die entsprechend aktuelle und gut konzipierte Onlinepr?senz, die all das m?glich macht. Das hat Max Mustermann verstanden. Es gab ja auch einen guten Vortrag namens "das neue Normal ist digital" ...

Interessante Keynote zu "mobiles first". Weitere Videos finden sich hier.